Wie viele von euch mitbekommen haben, fuhr ich für zehn Tage nach Wiesbaden für das Vorbereitungsseminar für meinen Freiwilligendienst in Namibia.
Die Bahn hatte sich mal wieder viele kreative Gründe einfallen lassen, warum sie zu spät kam, wir sind jedoch trotzdem alle (fast) pünktlich gemeinsam in der Herberge angekommen.
Natürlich waren wir alle total aufgeregt und gespannt, mit wem wir wohl zusammenleben würden. Nachdem dann aber die ersten Bekanntschaften geschlossen wurden, waren wir alle beruhigt und alle anfänglichen Sorgen waren beseitigt. Nach den üblichen organisatorischen Anfangspunkten hatten wir bei einem anschließenden 'walk to talk' die Möglichkeit, auch die übrigen, uns bis dahin unbekannten, Gesichter kennenzulernen.
Zehn Tage lang hatten wir jeden Tag verschiedene Seminare, welche sich letzen Endes, bis auf die entspannte Atmosphäre und unsere lockeren Teamer, nicht groß von normalem Unterricht unterschieden. Jeden morgen ging es um 9 Uhr nach dem Frühstück los, ab 12 Uhr hatten wir dann drei Stunden Mittagspause, bis die zweite Tageseinheit von 15 - 18 Uhr begann. Anschließend gab es dann Abendessen und an manchen Tagen hatten wir dann sogar noch zusätzlich von 19 bis circa 22 Uhr Seminar. Alles in allem also ein ziemlich straffer Zeitplan, bei dem trotz Temperaturen jenseits der 35° Grenze leider keine Zeit für Schwimmbad oder Ähnliches blieb.
| So sah unser vollgepackter Stundenplan aus,... |
| ... unsere Teamer sorgten jedoch immer dafür, dass wir nicht verhungern mussten und füllten täglich unsere 'Süßigkeitendeko' neu auf. |
Die ersten Tage verliefen eher weniger aufregend. Wir beschäftigten uns mit eher trockenen Themen wie Feedback, Reflexion und Konflikten und arbeiteten dabei hauptsächlich in Gruppen. Am ersten Abend fuhren wir gemeinsam mit den Gruppen der anderen Länder auf ein Deutsch-Amerikanisches Friedensfest, welches sich als kleiner Jahrmarkt entpuppte.
Obwohl wir uns ja noch gar nicht lange kannten, hatten wir trotzdem die ganze Zeit total viel Spaß und mit persönlich kam es fast so vor, als würde ich die anderen schon ewig kennen. Ich glaube, dass wir alle eine gewisse Leidenschaft für Kinderspiele entdeckten, welche immer wieder unsere Seminare auflockern und als Vorschläge für unsere Arbeit mit den Kindern dienen sollten. Täglich gab es eine neue Tagesverantwortung, welches sich um die sogenannten 'Warm-Ups (WUPs)' bzw. 'Energizer' kümmern sollten
Nach drei musste ich die anderen auch schon verlassen, - wenn auch nur vorübergehend - da ich natürlich meinen Abiball und die Zeugnisübergabe auf keinen Fall verpassen wollte. Dabei war ich nicht die einzige, das ganze Seminar über war es ein ständiges Kommen und Gehen. Mehr als die Hälfte von uns traf in diesem Zeitraum das letzte Mal auf die gesamten Mitschüler und ehemaligen Lehrer, um den gemeinsamen Abschluss zu feiern.
Leider verpasste ich somit aber den Besuch der Namibianerin Judi. Sie ist die Mentorin der Freiwilligen, welche nach Rehoboth gehen werden und ist extra angereist, um uns von ihrem Heimatland zu berichten und unsere Fragen zu beantworten.
| In unserem zweiten Seminarraum war eine Landkarte von Namibia aufgestellt, auf welcher jeweils unsere Einsatzplätze markiert und Fotos unserer Projekte angebracht waren. |
Nach meiner Rückkehr ging es dann auch gleich weiter mit den Themen 'Rassismus & Privilegien', welche ich persönlich super spannend fand. Viele von uns verstehen den Begriff 'Rassismus' total falsch, er kennzeichnet lediglich die Diskriminierung von Menschen aufgrund unterschiedlicher Hautfarbe und nicht, wie viele meinen, allgemein die Diskriminierung von Ausländern. Allgemein gibt es auch Menschen, welche rassistisch sind, ohne es zu merken, indem sie Farbigen besondere sportliche Fähigkeiten oder Ähnliches zuschreiben, da hierbei bereits eine Abgrenzung in verschiedene 'Rassen' bewirkt wird. Man nennt dies den sogenannten positiven Rassismus.
Es gibt außerdem sehr viele Vorurteile gegenüber Afrika. Der Kontinent wird von uns oft nur als einzelnes Land gesehen, in welchem alle Menschen arm sind und hungern müssen. Viele Menschen realisieren nicht, dass es auch in Afrika ärmere, aber auch reichere Länder und Gegenden gibt und die Menschen dort durchaus auch ein glückliches, zufriedenes Leben führen können. Diese Stereotypen folgen großteils auch aus unseren Medien, wir werden überrollt von Charityvideos und Bilder trauriger, afrikanischer Kinder, sodass wir dieses Vorurteil meist gar nicht erst hinterfragen.
Aus diesem Grund zeigten unsere Teamer uns einige kurze Videos, welche uns vor Augen führen sollten, das wir eine Person nicht nur nach dem ersten Eindruck oder einer einzelnen Geschichte, die wir kennen beurteilen sollen, sondern immer das Gesamtbild in einer Person sehen sollen, Unsere Geschichte von Afrika ist die Armut, es werden viel zu selten fröhliche Erzählungen über Afrikaner verbreitet, weshalb unser Bild desLeidens in Afrika gefestigt wird.
Es gibt außerdem sehr viele Vorurteile gegenüber Afrika. Der Kontinent wird von uns oft nur als einzelnes Land gesehen, in welchem alle Menschen arm sind und hungern müssen. Viele Menschen realisieren nicht, dass es auch in Afrika ärmere, aber auch reichere Länder und Gegenden gibt und die Menschen dort durchaus auch ein glückliches, zufriedenes Leben führen können. Diese Stereotypen folgen großteils auch aus unseren Medien, wir werden überrollt von Charityvideos und Bilder trauriger, afrikanischer Kinder, sodass wir dieses Vorurteil meist gar nicht erst hinterfragen.
Aus diesem Grund zeigten unsere Teamer uns einige kurze Videos, welche uns vor Augen führen sollten, das wir eine Person nicht nur nach dem ersten Eindruck oder einer einzelnen Geschichte, die wir kennen beurteilen sollen, sondern immer das Gesamtbild in einer Person sehen sollen, Unsere Geschichte von Afrika ist die Armut, es werden viel zu selten fröhliche Erzählungen über Afrikaner verbreitet, weshalb unser Bild desLeidens in Afrika gefestigt wird.
Auch das Thema HIV spielte eine Rolle in unseren Seminaren, da rund 13% der Bevölkerung in Namibia infiziert sind. Wir sprachen darüber, wie wir mit diesem Thema umgehen, wie wir uns selbst schützen können und dass wir beim Händeschütteln oder beim Friseur natürlich keine Angst haben brauchen, was wohl immer noch als allgemeiner Irrglaube verbreitet ist.
Ein weiteres Highlight waren für mich die Workshops zum Thema 'Corporal Punishment' und 'Schulassistenz', welche mich persönlich besonders betrafen und freiwillig besucht werden konnten. Wir erfuhren mehr zu unserem künftigen Schulalltag und wie wir am Besten mit der, leider immer noch gebräuchlichen, körperlichen Züchtigung an den Schulen umgehen sollten.
Wir durften außerdem an einem kleinen Erste-Hilfe-Kurs teilnehmen, bei dem unsere Grundlagen in Sachen stabile Seitenlage und Reanimation aufgefrischt und unsere Fragen, speziell zur Hitze und den giftigen Tieren in Namibia beantwortet wurden.
Viel zu früh war dann am Samstagabend auch schon unser Abschlussabend, bei welchem wir gemeinsam grillten und mit den Freiwilligen der anderen Länder zusammen saßen. Bei einem 'Gehfußball'-Turnier konnten dann die Freiwilligenteams jeweils ihr Können unter Beweis stellen.
Besonders schön fand ich auch noch die Idee unserer Teamer Sarah und Chris, jedem von uns zum Abschied eine Karte mit einem Gruppenfoto und einem kurzen, persönlichen Brief zu überreichen. Ebenso bekam jeder von uns einen eigenen Briefumschlag, welchen die anderen mit kleinen Briefchen, Zeichnungen oder Sprüchen füllen durften. Ich habe mich wirklich total gefreut, als ich die Nachrichten endlich lesen durfte, die Zettelchen waren wirklich alle total lieb geschrieben und gestaltet, sodass die Vorfreude, ein Jahr mit diesen Menschen zu verbringen umso mehr Anstieg.
Insgesamt war es wirklich ein sehr spannendes und lehrreiches Seminar und ich habe meine Mitfreiwilligen jetzt schon total ins Herz geschlossen.
Liebe Grüße
Eure Debbie :)
Liebe Grüße
Eure Debbie :)