Mehr als acht Monate habe ich darauf hin gefiebert und nun ist es endlich soweit. Ich bin in meiner neuen Heimat angekommen.
Meinen Koffer hatte ich bereits zwei Wochen vor Abflug gepackt - und dann nach und nach wieder ausgepackt, weil er zu schwer für den Flug war. Ich habe mich nun also auf die nötigsten Klamotten und Campingartikel beschränkt, welche ich für unsere geplanten Reisen brauchen werde.
Am Tag des Abfluges, genau zwei Stunden bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen gemacht hatten, kam dann auch die erlösende E-Mail mit meiner Visabestätigung. Mir fiel ein riesen Stein vom Herzen, weil damit nun auch die letzte Hürde genommen war.
Als
ich schließlich am Flughafen stand, konnte ich noch immer nicht ganz glauben,
dass ich mich nun für ein Jahr verabschieden muss. Auch jetzt fühlt es sich
noch immer so an, als würde ich Urlaub machen. Ich denke, dass wird sich aber
bald einpendeln, sobald man einen geregelten Alltag gefunden hat. Bisher bin
ich jedoch noch ganz froh, nach vorne blicken zu können und mich auf die
kommende Zeit zu freuen, anstatt zu trauern, dass ich meine Freunde und Familie
ein Jahr lang nicht sehen werde.
Um
20:45 Uhr letzten Freitag startete unser Flug mit South African Airways, wir
flogen elf Stunden bis Johannesburg, wo wir sechs Stunden Aufenthalt im Flughafen
hatten. Insgesamt waren wir circa 18 Stunden unterwegs, bis wir schließlich im
Flughafen in Windhoek landeten.
| Bereits beim Flug über Johannesburg fiel uns die vollkommen andere Lanschaft auf. |
Bereits vom Flugzeug aus konnten wir die vollkommen andere Landschaft beobachten und mir kam sofort die Bedeutung des Wortes ‚Namibia‘ in den Sinn: ‚Land, in dem es nichts gibt‘. Zunächst war nämlich wirklich nichts, außer Wüste und vertrockneter Sträucher zu sehen. Meilenweit gab es keine Häuser oder Tiere. Erst kurz vor unserer Landung konnten wir einzelne Häuser inmitten der Wüste entdecken.
Vom
Flughafen bis zu unserem Haus waren es dann noch einmal 45 Minuten Fahrt, auf
welcher wir schon einmal den Ausblick in unsere neue Heimat genießen durften.
Das Highlight unserer Fahrt wurde mit einem kurzen Aufschrei unseres kompletten
Busses angekündigt: Am Straßenrand saß eine Horde Affen, welche sich durch den Verkehr
ziemlich unbeeindruckt zeigte.
Als
wir schließlich in unserer Wohnung ankamen, waren wir ziemlich überrascht. Wir
waren davon ausgegangen alleine zu wohnen, deshalb staunten wir nicht schlecht,
als wir erfuhren, dass wir mit einer namibischen Familie zusammen in einer Art
großer WG leben würden. Die Mutter des Hauses, Rebecca, empfing uns total
herzlich und sagte uns, dass wir uns wirklich komplett wie zuhause fühlen
sollten, und wir für die Zeit, in welcher wir hier wohnen würden, ebenfalls
ihre Kinder sein würden. Unsere ‚Gastschwester‘ Taimi ist Zumba-Lehrerin und
unser ‚Gastbruder‘ Franz hat ein eigenes Taxiunternehmen und hat es sich zur
Aufgabe gemacht, auch uns überall herum zu fahren. Dies gestaltete sich nicht
immer so einfach, da wir - typisch deutsch - zum Beispiel einfach sehr lange
brauchten, um namibischen SIM-Karten zu besorgen, da wir ja auch wirklich den
allergünstigsten Tarif haben wollten ;)
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| Unser Haushund Dexter hat immer alles im Blick :) |
Generell werden wir wohl immer mit dem Taxi unterwegs sein, da es ziemlich sicher ist und dabei auch extrem günstig. Die zwanzigminütige Fahrt ins Zentrum kosten pro Person 10 Namibian Dollars, das sind umgerechnet um die 70 Cent.
Das
Haus an sich ist wirklich ziemlich groß, trotzdem teilen wir uns jeweils zu
zweit ein Zimmer. Wir haben jedoch zu sechst zwei eigene Badezimmer und dürfen
uns im gesamten Haus aufhalten. Es gibt außerdem noch eine Küche, einen
Essbereich und zwei ziemlich große Wohnzimmer. Unsere Zimmer sind nicht groß
und spärlich eingerichtet. Außer zwei Betten, einem Kleiderschrank und seit
heute auch zwei kleinen Nachttischchen gibt es nichts, aber nachdem wir uns ein
bisschen eingerichtet hatten, kann man es nun doch sehr gut aushalten.
Besonders
ungewohnt war für mich zunächst auch die riesige Mauer mit Stacheldraht, welche
sich rund um unser Grundstück zieht. Solche oder ähnliche Zäune kann man an
fast allen Häusern hier beobachten, als ich Franz‘ Freundin Ronja danach
fragte, meinte sie nur ‚This is Africa, you will get used to it‘. Grundsätzlich
sollen wir Freiwilligen auch nicht alleine das Grundstück verlassen und immer
nur in Gruppen losziehen. Rebecca war zudem sehr besorgt um uns und meinte,
dass wir ihr immer Bescheid geben müssen, wohin wir gehen und sie uns sagen
wird, wann wir wieder zuhause sein sollen. Vor allem gegen Ende des Monats soll
es wohl gefährlicher bei Nacht werden, da die Menschen mehr Alkohol trinken und
eher dazu neigen, kriminell zu werden.
| Unser Haus ist wirklich ziemlich groß... |
Auch mit dem Versand teurer Pakete sollen wir lieber vorsichtig sein, da es wohl öfter vorkommt, dass Pakete hier aufgeschnitten werden und der Inhalt geklaut wird, bevor das Paket zugestellt werden kann.
Besonders
auffällig sind auch die vielen Straßenhunde, welche hier überall herumlaufen
und nachts fast ununterbrochen bellen.
Als
‚Willkommensgeschenk‘ empfing uns die Familie mit einem typisch namibischen ‚Braai‘.
Das ist eigentlich nichts anderes, als das was wir unter Grillen verstehen,
allerdings ist das Essen hier wirklich sehr fleischlastig. Rebecca hat eigene
Hühner, deren Eier sie verkauft und welche zum Braai dann auch gegrillt werden.
Unseren
ersten Einkauf hier erledigten wir am Sonntag, da die Läden hier täglich
geöffnet sind. Wir waren zunächst ein wenig enttäuscht, da der Supermarkt so ‚normal‘
wirkte und die Lebensmittel sich nicht wirklich von denen, welche wir in
Deutschland haben, unterschieden. Später erfuhren wir jedoch, dass wir in einem
deutschen Supermarkt gelandet waren. Heute waren wir dann nochmals in einem ‚richtigen‘
Supermarkt, was man vor allem daran bemerkte, dass die Auswahl begrenzter war
und es einfach alles in riesigen Packungen zu kaufen gab. So haben wir nun
einfach mal einen 5kg Beutel Reis gekauft. Eine weitere besondere Entdeckung
war Marmelade aus der Konservendose.
Wir
haben uns gleich einen Koch- und Spülplan für unsere WG erstellt, sodass wir
die Arbeit fair verteilen können und gleich im Voraus für die gesamte Woche die
enstprechenden Lebensmittel einkaufen können. Unser Ziel ist es, mit dem
Essensgeld, welches wir monatlich erhalten werden, auszukommen. Daher können
wir uns keinen größeren Luxus leisten, mit Reis und Nudeln und ein bisschen
Gemüse lässt es sich jedoch auch sehr gut leben.
Heute
haben wir auch unseren zukünftigen Arbeitsplatz, die Havana Primary School,
besucht. Momentan sind hier noch Winterferien, der Unterricht wird dann ab
1.September beginnen. Bis dahin haben wir Zeit, uns einzugewöhnen, nächste
Woche wollen wir vielleicht auch schon unsere erste Reise ans Meer nach
Swapkomund ans Meer unternehmen.
Die
erste Fahrt durch den Stadtteil Havana war für uns alle ziemlich heftig. Wohin
man auch sieht sind kilometerweit nur Blechhütten zu sehen, die Armut in diesem
Bezirk ist wirklich deutlich spürbar und hat uns alle ein wenig getroffen. Am
Straßenrand befinden sich kleine ‚Geschäfte‘ jeder versucht sich hier mit einem
kleinen Laden etwas Geld zu verdienen. So finden sich hier Grills,
Gemüsestände, Copyshops, bestehend aus einem PC und einem Kopierer in einer
kleinen Hütte, und ‚Friseursalons‘ am Straßenrand. Es gibt kleine,
gemeinschaftliche Toilettenhäusschen für die Menschen die hier leben, Franz meinte
jedoch, dass diese so schmutzig sind, dass sie in der Realität nicht benutzt
werden können.
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| Im Township Havana waren meilenweit nur Blechhütten zu sehen. |
Die Havana Primary School schien im Vergleich zu den Wellblechhütten nicht ganz in die Umgebung zu passen. Sie wirkte frisch gestrichen und ließ sich auf den ersten Blick nicht wirklich von einer deutschen Grundschule unterscheiden. Wir wurden durch das gesamte Gelände geführt und von allen Lehrern wirklich sehr herzlich empfangen. Es ist hier üblich, jedem die Hand zur Begrüßung zu schütteln und sich zu erkundigen, wie es dem anderen geht. So stellten wir uns nacheinander den 48 Lehrern vor, konnten uns jedoch letztlich fast keinen der vielen neuen Namen und Gesichter merken. Auch die Lehrer hatten Probleme mit unseren Namen, wobei sie sich meinen noch am leichtesten merken konnten.
Die
Schule ist wirklich groß, trotzdem reichen die Unterrichtsräume nicht aus, um
alle 1500 Schüler gleichzeitig zu unterrichten, weshalb in Schichten
unterrichtet wird. Bestimmte Klassenstufen werden mittags unterrichtet, wir
Freiwilligen werden jedoch immer während der ersten Schicht von sieben bis 13
Uhr täglich arbeiten.
Bis
zur dritten Klasse werden die Schüler in Oshiwambo unterrichtet und haben
Englisch nur als normales Unterrichtsfach, anschließend findet der Unterricht
jedoch auch auf Englisch statt.
Auf
dem Gelände der Grundschule befinden sich riesige Zelte, in welchen die
Achtklässer der Highschool Havanas unterrichtet werden. Die Räume reichten
nicht aus, sodass einige Schüler nicht zur Schule gehen konnten, weshalb diese
Notlösung gefunden wurde. Grundsätzlich gilt hier, dass nur so viele Schüler
unterrichtet werden können, wie in den vorhandenen Räumen Platz finden.
Ein
besonderes Unterrichtsfach der Havana Primary School ist Agriculture. Die
Schüler lernen, wie Pflanzen und Gemüse richtig angebaut werden können und
erproben dies auch gleich praktisch in den beiden schuleigenen Gärten. Dieses
Unterrichtsfach kann später lebensnotwenig für dir Schüler sein, da viele
Bewohner Havanas auf den Verkauf von Gemüse und Obst an Straßenränder
angewiesen sind.
Ich
bin wirklich gespannt, was das Jahr hier so bringen wird und freue mich schon
total auf meinen ersten Unterrichtstag. Sicher bin ich mir jedoch, dass wir
viel erleben und neue Erfahrungen machen werden.
Bis
bald,
Eure
Debbie


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